Home
Pix Galleries
Thomas Felder
Zurück zur Startseite  >Buttenhausen<
Presse


Münzing: ¸¸Ein deutliches Signal gegen rechts''

Rafael Mizrahi von ¸¸Yad Vashem'' dankt für gute Kooperation
 - Tafel von Thomas Felder gestiftet
-

Mehr als 200 Besucher drängten sich gestern Nachmittag im Bürgersaal der Bernheimer'schen Realschule in Buttenhausen. Anlass war ein Festakt zur Enthüllung der Gedenktafel an die 109 jüdischen Mitbürger, für die Buttenhausen in den Jahren 1940 bis 1944 Zwischenstation auf dem Weg in die Vernichtungslager war.

EBERHARD LAEPPLE
MÜNSINGEN · Mit einer eindrücklichen Feierstunde erinnerte gestern Nachmittag die Stadt Münsingen an die 109 jüdischen Mitbürger, die in den Jahren 1940 bis 1944 in dem so genannten ¸¸jüdischen Altersheim'' in Buttenhausen interniert wurden. Von dort ging es in die Vernichtungslager nach Auschwitz und Theresienstadt. Bisher gab es in Buttenhausen kein Denkmal für diese Menschen, keine Gedenktafel erinnerte an ihren Leidensweg. Auf Anregung des Gönninger Liedermachers Thomas Felder wurden die Namen der Internierten von Stadtarchivar Roland Deigendesch erforscht und auf einer Tafel eingraviert. Diese Tafel findet ihren Platz im jüdischen Museum.
Für Bürgermeister Mike Münzing ist die Gedenktafel ein deutliches Signal gegen rechts. Noch immer schweige die Mehrheit der Bevölkerung, statt aufzuschreien und dem rechtsradikalen Treiben Einhalt zu gebieten. 60 Jahre nach der Deportation von Juden aus Württemberg und Baden sei es an der Zeit, Zeichen zu setzen.
Von 1787 an, dem Datum des so genannten Judenschutzbriefes, bis 1942 hätten Christen und Juden in Buttenhausen zusammengelebt. Die Stadt Münsingen versuche seit vielen Jahren, die Erinnerung daran und an das schreckliche Ende wach zu halten.
Wie diesem Aspekt der Geschichte des jüdischen Altersheims in richtiger Weise gedacht werden kann, darüber habe es allerdings unterschiedliche Meinungen gegeben. Heute gehe es darum, den jüdischen Opfern Namen zu geben. Die weitere Arbeit werde darin bestehen, einzelne Schicksale zu erforschen und sie für die Besucher des Museums didaktisch aufzubereiten.
Als Vertreter der jüdischen Kultusgemeinde bedankte sich Rafael Mizrahi von der süddeutschen Geschäftsstelle von ¸¸Yad Vashem'' in Göppingen für die gute Kooperation. In ¸¸Yad Vashem'', der Gedenkstätte für die jüdischen Helden und Märtyrer in Jerusalem, werde der ermordeten Juden in aller Welt gedacht. Sechs Millionen seien getötet worden, etwa 2,5 Millionen Namen - hauptsächlich aus Osteuropa - fehlten noch. Doch die Namen der Buttenhausener Juden seien dort alle verzeichnet.
Buttenhausen habe viel getan, um die Erinnerung an Vernichtung der jüdischen Mitbürger wach zu halten, erklärte Ortsvorsteherin Silvia Stein. Sie bat jedoch darum, bei der Aufarbeitung der Vergangenheit die Buttenhausener selbst nicht zu vergessen. Buttenhausen wolle kein Museumsdorf sein. Deshalb habe der Ortschaftsrat auch nicht der Aufstellung von Holzpflöcken zustimmen können. Die wollte Thomas Felder als dauerhaftes Denkmal auf dem Weg zum Friedhof installieren.
Stadtarchivar Roland Deigendesch ließ noch einmal die Geschichte des ¸¸jüdischen Altersheims'' in Buttenhausen Revue passieren. Das Wort ¸¸Altersheim'' sei ein ¸¸völlig unpassender Begriff''. Er verschleiere die Tatsache, dass hier Menschen zusammengezogen wurden zur Deportation in die Vernichtungslager.
Die meisten Juden seien nur kurz in Buttenhausen gewesen. Bereits 1942 sei der größte Teil nach Theresienstadt deportiert worden. Mit der Gedenktafel - die übrigens von Thomas Felder gestiftet wurde - verfolge die Stadt das Ziel, ¸¸im Verzicht auf monumentalisierende Denkmale anhand anschaulicher Einzelschicksale die Vergangenheit nachvollziehbar zu machen''. Der Vorwurf, man verstecke eine Tafel in einem verstaubten Museum, sei ¸¸absurd''. Musikalisch umrahmt wurde die Feier von Thomas Felder und Christiane Zeul mit Liedern und Texten zu ¸¸Buttenhausen, mein kleines Jerusalem''.

aus: Südwest Presse, Albbote Münsingen, 13.11.2000
 

_____________________________________________
 

Umstrittene Aktion beim jüdischen Friedhof

Mit einer eindrucksvollen Installation von Holzpflöcken mit den Namen der in Buttenhausen internierten jüdischen Altersheim-Insassen ergänzte Thomas Felder am Sonntagabend die offizielle Enthüllung der Gedenktafel. Die Installation ist befristet und soll Ende des Jahres wieder abgebaut werden.

EBERHARD LAEPPLE
BUTTENHAUSEN· Mit einer Installation von 112 Holzpflöcken auf dem Weg zum jüdischen Friedhof und einer eindrücklichen Feier im Anschluss an die Aktion gedachte am Sonntagnachmittag Thomas Felder der jüdischen Mitbürger, die in den Jahren 1940 bis 1944 im so genannten ¸¸jüdischen Altersheim'' in Buttenhausen interniert worden waren. Rund 100 Mitwirkende hatten sich nach der offiziellen Feierstunde der Stadt Münsingen in der Bernheimer'schen Realschule (wir haben gestern darüber berichtet) in das Gedenkbuch eingetragen und die Patenschaft für je einen der Holzpflöcke übernommen.
Rafael Mizrahi von der israelitischen Religionsgemeinschaft in Württemberg hatte ein ¸¸Kadisch'', das hebräische Totengebet, gesprochen. Pfarrer Bernhard Leube sprach ein Gedicht von Nelly Sachs. Darin macht die Schriftstellerin deutlich, dass ¸¸überall dort, wo eine Stelle für Herzklopfen ausgelassen ist'' der Toten gedacht werden kann. Hunderte von Lichtern machten deutlich, dass die Menschen, für die Buttenhausen Durchgangsstation auf dem Weg in die Vernichtungslager war, nicht vergessen sind.
Die von Felder gewählte Form des öffentlichen Gedenkens ist allerdings umstritten. Weder die Stadtverwaltung noch der Buttenhausener Ortschaftsrat halten die Installation für angemessen, der Ortschaftsrat hatte sie sogar untersagt. Im Gegensatz dazu hatte Rafael Mizrahi als Vertreter der israelitischen Religionsgemeinschaft in Württemberg am Sonntag im Rahmen der offiziellen Feierstunde die Idee des Gönninger Künstlers als ¸¸sehr gut bezeichnet'' und sie unterstützt.
Den Anstoß für die Beschäftigung mit dem bislang noch nicht bearbeiteten Teil der Geschichte Buttenhausens hatte Thomas Felder beim Bürgermeisterwahlkampf 1997 in Münsingen gegeben. Seit dieser Zeit ist Bürgermeister Mike Münzing mit Felder im Gespräch. Ziel war, einen gemeinsamen Weg des Gedenkens zu finden.
Verhärtete Fronten
Das wurde nicht erreicht, die Fronten sind so verhärtet, dass kein Vertreter der Verwaltung die Aktion Felders begleitete. Für Felder ist dieses Verhalten ¸¸eine ganz große Enttäuschung'', wie er am Sonntag sagte. Seine Ideen seien ¸¸regelrecht boykottiert'' worden. Er hoffe, dass die Zeit die Wogen glättet.
Für einen unbeteiligten Beobachter schließen sich die unterschiedlichen Ansätze des Erinnerns nicht aus, ergänzen sich vielmehr. Thomas Felder ist das öffentliche Gedenken wichtig - in welcher Form auch immer. Münzing ist die didaktische Aufarbeitung ein Anliegen. In seiner Ansprache anlässlich der Einweihung der Gedenktafel in der Bernheimer'schen Realschule machte der Münsinger Bürgermeister deutlich, wie sehr ihn die rechtsradikalen Umtriebe in Deutschland belasten. Sein Ziel - und da ist er sowohl mit Stadtarchivar Deigendesch als auch mit Walter Ott einig - ist es, nachdem den Opfern nationalsozialistischer Gewalt in Buttenhausen Namen zugeordnet wurden, nun auch einzelne Schicksale zu erforschen. Diese sollen den Besuchern des Museums - darunter vielen Schulklassen - nahe gebracht werden.
Felder hofft nun, dass seine Installation bis Ende des Jahres unbeschadet bleibt. Dem angrenzenden Grundstückseigentümer hat er das Versprechen gegeben, für den Abbau zu sorgen. ¸¸Ich habe mir dafür fest den Silvesterabend vor Einbruch der Dämmerung vorgenommen'', sagt Felder.

aus: Südwest Presse, Albbote, Münsingen, 14.11.2000

 

Zurück zur Startseite  >Buttenhausen<

All Pix Copyright by Willi Schühle - This site is permanently under construction!

Vielen Dank für Deinen Besuch - Gruß Willi - Schau mal wieder vorbei!
Thank you for visiting my site - Best regards Willi - have a look again

Anregungen und Ideen bitte an - Comments and ideas please send to
Willi Schühle oder/or Gästebuch/Guestbook